Dokumente | Politische Erklärungen
10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen
Walter Ulbricht, 1. Sekretär des ZK der SED, verkündete auf dem V. Parteitag der SED am 10.7.1958 in Berlin seine 10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen.
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10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen
Foto:unbekannt / Bundesarchiv
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In formaler Anlehnung an die biblischen Zehn Gebote fassten sie die politischen Pflichten jedes DDR-Bürgers zusammen und wurden vom sechsten SED-Parteitag 1963 in das Parteiprogramm der SED aufgenommen und standen bis 1976 darin. Entwickelt wurden die „10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“ vor dem Hintergrund des Aufstands vom 17. Juni 1953. Damals verschärfte die SED ihre Kirchen- und Kulturpolitik mit dem Ziel, die DDR-Bürger zu einer stärkeren Arbeitsmoral und einem weltanschaulichen Atheismus erziehen. Gemäß der marxistisch-leninistische Theorie vom baldigen Absterben der Religion im Sozialismus waren die kirchlichen Dogmen überflüssig. Die SED-Führung versuchte darum diesen Prozess aktiv zu fördern, indem sie kirchliche Traditionen durch staatliche Ideologie zu ersetzen suchte. Ulbrichts „10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“, die manchmal auch als „Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik“ bezeichnet wurden, sollten somit die Moralvorstellungen der arbeitenden Bevölkerung formen helfen. So wurden die „10 Gebote für den neuen sozialistischen Menschen“ auch oftmals bei den 1954 eingeführten Jugendweihen verlesen. Auch die 1959 vom FDGB eingeführten „Brigaden der sozialistischen Arbeit“, die die Leistungsbereitschaft der Belegschaften stärken sollten, beriefen sich auf Walter Ulbrichts 10 Gebote, insbesondere auf das 5., 6. und 7. Gebot. Mit der Aufnahme in das SED-Programm wurden sie als „sozialistische Gesetze der Moral und Ethik“ für alle Mitglieder als Handlungsmaximen verbindlich gemacht. 1976 ersetzte der neunte SED-Parteitag alle zehn Regeln durch die Pflicht „die Normen der sozialistischen Moral und Ethik einzuhalten und die gesellschaftlichen Interessen über die persönlichen zu stellen“. Analog gab es für Kinder vom sechsten bis neunten Lebensjahr die „Gebote der Jungpioniere“, vom zehnten bis vierzehnten Lebensjahr die „Gesetze der Thälmann-Pioniere“. In der breiten DDR-Bevölkerung blieben Ulbrichts 10 Gebote trotzdem weitestgehend bekannt und unbeachtet. Sie spielten im öffentlichen Leben der DDR keine wesentliche Rolle und wurden hauptsächlich parteiintern propagiert. Die Gebote lauteten:
- Du sollst Dich stets für die internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
- Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter-und-Bauern-Macht einzusetzen.
- Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
- Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
- Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
- Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
- Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistung streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
- Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
- Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.
- Du sollst Solidarität mit den um nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.
Über den Autor: ElDong ist IT-Fachautor und Herausgeber mit Fachgebiet Software-Entwicklung für Windows und das Internet. Er arbeitet freiberuflich als Entwickler und Webmaster diverser Infotainment Webseiten.
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