Themen | Mauer, Wende, Einheit
Jahrzehnte später - Ein Schlüssellochblick aus dem Westen
Teil 2: Auf der Suche nach der DDR
Die private Seite ist eine andere, eine höchstpersönliche oder gar keine. Meine Kenntnis der DDR ist vermutlich durchschnittlich schwach. Ich kenne einen Teil der Landschaften von den innerdeutschen Urlauben der letzten Jahre. Wohl habe ich mich gefühlt und Schönes gesehen. Landschaftliche Reize sind von Nord bis Süd zu finden, wie auch die knorrigen Urgestalten der entsprechenden Regionen.
Die ehemalige DDR ist für mich dabei nicht wirklich sichtbar, sieht man von einigen Verrottungen ab, an denen man gern wegschauend schnell vorüber zieht. Zu wenig alte Bezüge habe ich persönlich, mit denen ich zu aussagekräftigen Vergleichen kommen könnte. Vieles erscheint mir bei der Durchreise neuer, schicker, schöner, renovierter und frischer als in manch einem alten westdeutschen Landstrich, wo die öffentlichen Fördergelder nicht so flossen. Diese Erneuerung im Äußeren jedoch war dem maroden Zustand morbider Materie angemessen. Entscheidend jedoch ist die Erneuerung im Innern. Was hat sich wirklich in den Herzen und Köpfen der Menschen vollzogen? Ich glaube nicht, dass ein durchschnittlicher Westler die Kompetenz hat, dies zu beurteilen - so er nicht professionell mit solchen Themen beschäftigt ist, prüft und ernsthaft forscht. Das wissen die Menschen in der ehemaligen DDR selbst am besten. Aber ich wage zu orakeln: Die Bilanz fällt für die meisten wohl eher ambivalent aus. Man wird vieles begrüßen, vieles bedauern. Man wird Fehler benennen können und auch die personell dafür Verantwortlichen, selbst wenn man sie legal aus der Verantwortung entließ. Man wird eine menschlich mittlerweile veränderte Gesellschaft der nächsten Generation vorfinden, die teils voller Hoffnung ist und Menschen, die mit guten Argumenten die Kehrseite aufzeigen. Und dann die Flüchtenden nicht zu vergessen, die es noch immer gibt… Ostflucht und Landflucht, so ganz ohne Ausreisepapiere, aus wirtschaftlicher Not die Heimat verlassend. Perspektivlos mit drohender Überalterung. Ganze Landstriche, die sich leeren und vermutlich binnen weniger Jahre von der Natur zurückerobert werden. Für wie lange? Auch hier ist Bewegung, die zu späteren Zeiten wieder zu einer Gegenbewegung werden wird. Wann immer das sein mag. Vielleicht sind mittlerweile die Unterschiede zwischen den Menschen der alten und neuen Bundesländer gar nicht einmal so groß, wie wir denken. Sie werden von Jahrgang zu Jahrgang geringer werden. Die sich ständig und schnell verändernde Gegenwart rückt jene DDR-Vergangenheit mit ihren besonderen Bedingungen mehr und mehr in den Schatten der Geschichte. Und ich? Ich bleibe fremd dort und komme dennoch gern wieder. Als Touristin, die Urlaub braucht und sich nach Ruhe sehnt. Nach den leisen Tönen und den Farben eines prächtigen Sommerhimmels. Nach der Wassermusik meines Bootspaddels auf der Müritz und den Schreien der Gänse im Bodden. Offen für offene Menschen mit dem Mut zu offenen Worten. Hinhorchend wo Wesentliches vernünftig gesagt wird und mich über jeden Menschen freuend, der daran mitwirkt, dass Deutschlands bereits vernarbte Schnittwunde irgendwann nur noch Erinnerung ist, aus der wir alle das Rechte für die Zukunft lernen.
| Teil 1: |
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| Teil 2: |
Auf der Suche nach der DDR |
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