23.02.11 | nokiland (195) Böhlen und die ASW AG als Motor für den Aufschwung der Stadt

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Böhlen und die ASW AG als Motor für den Aufschwung der Stadt

Bekannt wurde Böhlen durch riesige Braunkohletagebaue und weitflächiger Umweltverschmutzung. Bis Anfang des 20. Jahrhundert war Böhlen jedoch nicht mehr als ein kleines Dorf. Im Jahr 1890 zählte man 422 Einwohner. Bereits bis 1939 hatte sich diese Zahl aber verzehnfacht auf 4.169 Einwohner.

Verantwortlich für diese rasante Entwicklung war der ab 1920 begonnene Aufschluss des Böhlener Braunkohlereviers. Bereits 1912 war in Dresden unter dem Finanzminister von Seydewitz der Abbau von Braunkohle und der Bau von Böhlener Verarbeitungsbetriebe im Gespräch. Die Lage Böhlens inmitten der Braunkohlefelder des Bornaer Raumes war perfekt geeignet für den Bau eines Großkraftwerkes. 1918 kaufte der sächsische Staat die braunkohlehaltigen Flächen um die Dörfer Böhlen und Zechwitz. Am 1. November 1920 wurde mit dem Bau eines Eisenbahn Anschlussgleises begonnen und am 1. April 1921 folgte der erste Spatenstich zum Abbau des Böhlener Kohlefeldes. Ein Kredit von 15 bis 18 Milliarden Dollar Mitte der 20er Jahre ermöglichte den Ausbau des Betriebes zu einem der damals größten deutschen Wärmekraftwerke. Böhlen wurde nach Leuna der zweitgrößte Produzent für Treibstoffe.

Am 13. November 1923 wurde die „Aktiengesellschaft Sächsische Werke“, mit dem Freistaat Sachsen als alleinigen Aktionär, gegründet. Ziel der AG Sächsische Werke (ASW) war unter anderem, die bisher dedizierte Versorgung des Freistaat Sachsen mit Strom auf der Basis regional vorhandener Braunkohle zu zentralisieren. Aber auch die Produktion von Gas sowie der Vertrieb der aus der Kohle hergestellten Erzeugnisse gehörten zum Portfolio der ASW. Der von der ASW AG betriebene Tagebau in Böhlen war 1924 schließlich der weltweit größte Braunkohletagebau.

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde die „Aktiengesellschaft Sächsische Werke“ 1934 verpflichtet, der Braunkohle-Benzin AG (BRABAG) beizutreten. Die BRABAK mit Sitz Berlin entstand 1934 aus zehn Unternehmen der deutschen Braunkohlenindustrie mit dem Zweck der Herstellung von Treibstoffen und Schmierölen unter Verwendung von Braunkohle. Im Böhlener Hydrierwerk wurde ab Februar 1936 nach dem Bergius-Pier-Verfahren aus der gewonnen Braunkohle das erste synthetische Benzin hergestellt um im geplanten Krieg unabhängig von importiertem Erdöl zu sein.

Die Nationalsozialisten machten aus dem Böhlener Werk einen Musterbetrieb für ihre Propaganda. 1938 erschien im „Raumbildverlag Otto Schönstein“ für höhere Mitarbeiter der Betriebe ein Buch in Kleinauflage mit dem Titel: „Nationalsozialistischer Musterbetrieb - Braunkohle Benzin A.G. - Werk Böhlen“. Mit 25 Bildern wurden das Werk und die Produktion als nationalsozialistischen Musterbetrieb angepriesen.

In den Jahren 1938 bis 1942 wurde das Böhlener Hydrierwerk dreimal ausgebaut um einer kriegsbedingten Steigerung der Produktionskapazität genügen zu können. Aber den Alliierten war der Standort Böhlen für Hitlers Rüstung sehr wohl bekannt und so führten gezielte Bombenangriffe zu einer erheblichen Beschädigung der Produktionsbetriebe.

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