23.02.11 | nokiland (195) Böhlens Aufstieg als Standort der Braunkohleindustrie

Neue Bundesländer | Freistaat Sachsen

Böhlens Aufstieg als Standort der Braunkohleindustrie

Das im Jahr 1303 erstmals urkundlich erwähnte Böhlen (Beln) und bis tief in das 19. Jahrhundert ländlich geprägte Böhlen, entwickelte sich erst mit dem Bau des Bahnhofes im Jahr 1842 zu einem Blickpunkt auf der Landkarte. 1889 wurde das Schulgebäude um weitere Zimmer vergrößert, eine Molkerei nahm ihren Betrieb auf und Böhlen bekam sein erstes Postamt.

Dank der Eisenbahnverbindung und des Postamtes wurde Böhlen als Standort für die von Leipzig ausgehende Industrialisierung interessant. Im Jahr 1900 wurde eine Rauchwarenzurichterei errichtet. In dieser Fabrik wurde die Haut der Pelze durch Gerben geschmeidig gemacht, die Haare gereinigt und nach Bedarf gefärbt. Das damalige Fabrikgebäude steht noch heute und ist jetzt ein Altgebäude des beruflichen Schulungszentrums Böhlen. 1902 wurde für das Rittergut ein Pächterhaus gebaut, des jedoch ab 1928 als Rathaus dient.

Aber auch als Ausflugsziel für Leipzigs Mittelschicht fand Böhlen Beachtung. Im Jahr 1901 entstand der Fortunapark. Auf einer Postkarte von 1933 wird der Fortuna-Park beschrieben mit „60.000 Quadratmeter große Naturanlagen, vornehmster Ausflugsort der näheren Umgebung, herrliche Gsträume und Terassen, großer Autoplatz.“. Das Hauptwirtschaftsgebäude bot einen imposanten Anblick inmitten der Parkanlage.

Im November 1911 wurde mit dem Bau einer Eisenbahnstrecke „Böhlen - Rötha - Espenhain“ begonnen und am 30. April 1913 feierlich eingeweiht. Erforderlich wurde der Ausbau des Eisenbahnnetzes durch die beginnende Industrialisierung vieler kleiner Ortschaften um Leipzig herum.

Ab den Zwanziger Jahren entwickelte sich Böhlens Wirtschaft immer schneller. Von 1920 bis 1924 wurde Böhlen vergrößert, neue Wohnungen entstanden und Geschäfte wurden eröffnet. Zählte Böhlen im Jahr 1910 noch 978 Einwohner, waren es 1925 bereits 1.575 und 1939 sogar 4.169 Einwohner. Im Jahr 1925 erhielt Böhlen ein eigenes Kraftwerk und eine Brikettfabrik.

1920 begann dann der Aufschluss des Böhlener Braunkohlereviers. Die „Aktiengesellschaft Sächsische Werke“ erhielt die Aufgabe, die bisher dedizierte Versorgung des Freistaat Sachsen mit Strom auf der Basis regional vorhandener Braunkohle zu zentalisieren. 1924 war Böhlen Standort des weltweit größten Braunkohletagebaus. Die Stadt wuchs. 1926 wurde die heutige Mittelschule Böhlen in der Lessingstraße gebaut, eine neue Siedlung entstand „Am Zipfel“ und der erste hauptamtliche Bürgermeister Böhlens, Herr Goldmann, ins Amt gerufen.

In den Zwanziger und Dreißiger Jahren ging es den Industriellen um eine Erhöhung er Produktivität ihrer Arbeiter. Sie investierten Kapital in bessere Wohnverhältnisse und Freizeitangebote zum entspannen von der harten Arbeit. So wundert es nicht, das die „Aktiengesellschaft Sächsische Werke“ (ASW) im Jahre 1936 ein Freibad baute. Die BRABAK (Braunkohle-Benzin AG) baute den Fortunapark in einen Freizeitpark um. Den ersten Kindergarten erhielt Böhlen im Jahr 1939.

Der Krieg mit all seinen Schrecken zog auch an Böhlen nicht spurlos vorbei. In den letzten Kriegsjahren wurde in Böhlen Außenlager des KZ Buchenwald errichtet. Die rund 800 Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit in der BRABAG herangeholt und weitere Tausende zur Arbeit in der kriegswichtigen Produktion von Treibstoffen herangezogene Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurden im Areal des heutigen Werksgeländes der Sächsischen Olefinwerke GmbH untergebracht.

Das in den Jahren 1938 bis 1942 dreimal ausgebaute Böhlener Hydrierwerk wurde 1944 und 1945 bevorzugtes Ziel der Aliierten Luftwaffe mit ihren zerstörerischen Bombenangriffen.

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