14.06.10 | nokiland (195) Ein Leben im Kinderheim Machern

Themen | Alltag

Ein Leben im Kinderheim Machern


Teil 8: Das Kinderheim in Machern nach der Wende


Es war in den Jahren 2003 oder 2004. Ich wollte meinem Sohn zeigen was ein Kinderheim ist. Gemeinsam mit meiner Oma fuhren wir nach Machern, dem Ort meiner Kindheit.

Meine Oma hatte mich auch damals regelmäßig im Kinderheim besucht und fand es auch interessant, wie sich das alles entwickelt hat. Und ich war erstaunt. Das Heim war farbenfroh gestrichen und es schien kaum jemand anwesend zu sein. Dort wo damals ein Rasen war, rannte ein Pferd durch die Gegend. Zuerst wusste ich nicht so recht, ob ich eintreten soll. Ist es noch ein Kinderheim, oder ein privates Grundstück mit Reitschule? Und wenn es noch ein Heim wäre, wie reagieren sie auf Fremde. Wie reagieren die Kinder? Dass ich mit einem dicken E-Klasse Wagen vorfuhr, machte es auch nicht einfacher. Vielleicht hielten sie mich für einen gut betuchten Snob, der mal sehen wollte wie arme Kinder in einem Heim leben, damit er seinem Sohn Angst vor dem „bösen“ Heim machen kann? Nach den vielen Jahren hatte ich ja keine Ahnung, wie Heimkinder heute leben und mit der Umwelt zurecht kommen.

Nachdem ich sah, dass keiner beobachtete aus welchen Auto ich ausstieg, wagten wir uns auf das Gelände. Es war ein warmer Sommertag. Am Seiteneingang sah ich ein junges Mädchen und fragte wo die Erzieher seien. Na super, das junge Mädchen war eine junge Frau und selbst Erzieherin. Ich muss aber auch immer ins erstbeste Fettnäpfchen treten. Vorgestellt war ich schnell. Ich lebte vor vielen Jahren in diesem Heim und wollte meinem Sohn zeigen, wo ich einige Jahre meines Lebens verbrachte. Ob sie noch Frau Jahn kennt und ich mich umschauen und Fotos machen darf. Ich durfte. Und so erfuhr ich, dass vieles umgebaut wurde. Die Jugendlichen haben jetzt Einzelzimmer. Damals hatten nur einige der wirklich Großen aus der achten Klasse ein Einzelzimmer. Alle anderen teilten sich die wenigen Räume auf.

Ich wurde in das Haus eingeladen und durfte Zimmer besichtigen. Mein lieber Charlie! Spielkonsolen und TV in den Zimmern der Kinder! Dort, wo früher der Gemeinschaftsraum der „Großen“ im Erdgeschoss war, befanden sich Einzelzimmer. Es war soviel umgebaut, dass ich mich kaum noch zurecht fand.

Leider schaute ich mir nicht alles an, ich wollte nicht aufdringlich wirken. Aber der erste Eindruck des neuen Kinderheimes war positiv. Keine „Massenhaltung“ von Kindern sondern viel Platz und junge Erzieherinnen, welche sicherlich gerade aufgrund ihres Alters positiv auf die Kinder eingehen konnten. Und Pferde!

Wenn man heute die Website des Heimes auf www.kinderheim-machern.de besucht, glaubt man an ein Ferienlager. Ich werde die Vermutung nicht los, dass Machern von seiner Vergangenheit in der DDR Zeit profitierte. Möglicherweise hatte das „Erich Zeigner“ Kinderheim sich als „Muster-Kinderheim“ herum gesprochen und fand nach der Wende sogleich eine Finanzierung. Ich weiss es nicht. Ich wünsche aber dem heutigen Kinderheim jedenfalls viel Erfolg bei seiner Tätigkeit und freue mich über sein pädagogisches Grundkonzept.

Das Kinderheim in Machern nach der Wende Facebook
Teil 1: Ein Leben im Kinderheim Machern
Teil 2: Erziehung statt Um-Erziehung
Teil 3: Begabungen und persönliche Entwicklung wurde gefördert
Teil 4: Schulunterricht in einem echten Schloss
Teil 5: Frust und kleine Freuden in Machern
Teil 6: Integration der Heimkinder in den Schulalltag
Teil 7: Die Kinderheime in der DDR waren keine Straflager für Schüler
Teil 8: Das Kinderheim in Machern nach der Wende
Teil 9: Das ganz persönliche Wort zum Sonntag


Über den Autor:
nokiland ist Web-Designer und -Programmierer. Er arbeitet freiberuflich als Entwickler und Webmaster diverser Infotainment Webseiten.


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