Themen | Mauer, Wende, Einheit
Wiedervereinigung: Fressen wir die Habenichtse?
Teil 2: Die Wiedervereinigung ist da
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Demonstration 1989 in Rostock
Foto:Jürgen Sindermann / Bundesarchiv
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Die einen träumten von Gelüsten, von unerreichbaren Sinnesreizen, die anderen gingen schon fast wieder verschwenderisch gelangweilt mit demselben um. Rausch und Lust, die unbefriedigt blieb, gegen sich auftürmende Berge voller Wohlstandsmüll, der kaum noch Abnehmer fand. Solche Erfahrungen prägen. Tiefer als die meisten Menschen ahnen. Jeden ein wenig anders und auch je nach dem, in welchem der beiden Lager man steht oder lebt. Und dann kommt irgendwann eine Wiedervereinigung. Man wünscht sie, ist ihr aber keinesfalls schon gewachsen. Auch das gilt für beide Seiten. Herzliche Willkommensrufe und dann die Frage: Aber was machen wir nun mit ihnen?! Ah! Wir werden sie integrieren… und gut ist es! Als wenn dies so einfach gelänge! Stoßen Hungrigen zu den Satten und werden integriert, so ist es nicht mit einer fetten Speisung getan. Da wurzeln noch ganz andere, lang gewachsene Anschauungen über das Leben, den Umgang mit den Menschen und den mit der Materie, die erst einmal angeglichen werden will. Geschieht dies zu einseitig, ist eine Chance verpasst. Die Adaption an den Wohlstand, zumal auf sehr schnelle Weise, birgt die Gefahr, dass andere wertvolle Ressourcen per Verführung unter die Räder kommen. Wiedervereinigung kann nicht die Wiedervereinung oder Teilung an Konsum und Wohlstand allein bedeuten, so man Jahre später sich nicht wiederum ein armseliges Zeugnis ausstellen will. Beide Seiten sind aufgefordert, genau hinzuschauen, ob sich da nicht echte Qualitäten vereinigen wollen, die zusammen ein drittes neues Ganzes ergeben und nicht auf einen gefräßigen Rachen der Habenden hindeutet, der die Habenichtse schluckt und die sich umgekehrt auch allzu gern in dem Monster freiwillig wohnlich einrichten … all inclusiv, versteht sich. Wiedervereinigung müsste Neuanfang sein, der anderes als frisch gedeckte Dächer und – wie ich sah – völlig unnötig aufwendig gepflasterte Waldstraßen meint. Was sich wirklich wiedervereinigen sollte sind Fähigkeiten und Talente, Güte und Niveau, Werte, echtes Format und Feinheiten ohne Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Frage ist, ob dies tatsächlich geschah und jetzt, mit Abstand betrachtet, vielleicht nicht schon wieder zu spät ist… und diese großartige Chance vom Müllschlucker der Geschichte nicht schon intern geschreddert wurde. Wieder einmal was verpasst mit einer Wiedervereinigung in der Geschichte der Menschheit?
| Teil 1: |
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| Teil 2: |
Die Wiedervereinigung ist da |
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