22.06.10 | nokiland (195) Eigenversorgung in der ehemaligen DDR

Themen | Alltag

Eigenversorgung in der ehemaligen DDR

Was es in der DDR nicht gab, wurde selbst hergestellt oder organisiert. Der Anbau von Gemüse, Obst oder Kräuter im Garten auf dem Dorf, in der Kleingartenanlage oder dem Balkon war ein selbstverständliches Treiben und diente der Eigenversorgung.


Zurück zur Natur gab es schon in der DDR. Auf dem Land, wo es ausreichend Flächen gab, wurde fleissig im eigenen Garten gearbeitet und eigenes Gemüse und Obst geerntet.
Zurück zur Natur gab es schon in der DDR. Auf dem Land, wo es ausreichend Flächen gab, wurde fleissig im eigenen Garten gearbeitet und eigenes Gemüse und Obst geerntet. 
Foto:RSM 

Im Internet liest man überall, dass es in der DDR kaum frisches Gemüse gab es und im Winter generell eine Mangelware gewesen wäre. Ich lebte 22 Jahre in der DDR. Mit der Zeit verschwimmen zwar viele Erinnerungen, aber manches weiß ich noch ziemlich genau, weil es meinen Alltag geprägt hat. Die berühmte Banane beispielsweise gab es alle paar Wochen für das breite Volk und im Sommer schmeckten die Orangen nicht so gut wie in der Weihnachtszeit. Melonen gab es im Sommer viel und preiswert, im Winter weniger. An Skorbut litt jedoch kein DDR Bürger in den harten Wintermonaten.

Auch wenn ich mich nicht wirklich zu hundert Prozent erinnern kann, was im Winter im Gemüseladen stand - Blumenkohl, Rosenkohl, Tomaten und Gurken gab es aber auch in den kälteren Jahreszeiten zum Mittagessen. Die DDR war ein entwickeltes Agrarland. Jede Ressource wurde genutzt.

Der „Spiegel“ aus der damaligen BRD schrieb schon im Jahr 1967 (DER SPIEGEL 52/1967: „Zu dick“): Denn nicht nur nach DDR-eigenen Erfolgsmeldungen hat sich der ostdeutsche Lebensstandard von Jahr zu Jahr gebessert. Auch nach den Erkenntnissen westlicher Experten steht heute fest: Die einst erheblichen Versorgungsschwierigkeiten der DDR sind weitgehend überwunden.

Im gleichen Artikel hieß es: Das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ in West-Berlin fand heraus, dass auch in Mitteldeutschland eine Tendenz zum höherwertigen Industrieartikel zu erkennen" sei.

Trotzdem gab es natürlich einige Lücken in der Versorgung; immer wieder tauchten Waren nur schubweise auf dem Markt auf und waren in der Zwischenzeit nur mit Beziehungen zu haben. An Südfrüchten zum Beispiel herrschte notorischer Mangel: Der DDR-Bürger konnte 1966 nur 10,8 Kilo davon kaufen während der Bundesbürger 25 Kilo erwarb.


Zwiebelanbau im eigenen Garten
Zwiebelanbau im eigenen Garten 
Foto:Maecker / RSM 

Aber eines weiß ich aber noch ganz genau: Die meisten Leute hatten im Keller Regale voller Eingekochtem. Erdbeeren, Pfirsiche, Pilze, Pflaumen, Kirschen und Gemüse. In einer Ecke des Kellers stapelten sich Kartoffeln. Auf Bretterregalen reiften Äpfel und lagerten Birnen. Und in der Speisekammer hingen Büschel von Beifuß, Dill, Pfefferminze und Sellerie. Ja, wer weiß heute noch was man mit Beifuß anstellte? Er kam in die Gräupchensuppe und der Sellerie in die Kartoffelsuppe, Dill zu den Gurken, die im Garten wuchsen und in einem Einmachglas landeten.

Das schöne aber war, vieles wie beispielsweise Beifuß musste man nicht kaufen. Es wuchs am Feldrand. Äpfel gab es im Überfluss – und das kostenlos. Viele Landstraßen waren mit Obstbäumen gesäumt. Es gab Landstraßen, da wuchsen nur Apfelbäume, an der anderen nur Kirschbäume. Ebenso Pflaumen und Birnen. Pilze kamen aus dem Wald. Als Kinder waren wir richtige Experten in Sachen Pilze. Und was nicht gegessen wurde, wurde eingelegt. Rote und schwarze Brombeeren gab es im Wald zur Genüge. Hagebutten und Holunder musste auch niemand unbedingt im Gemüseladen kaufen. Selbst ein paar Zentner Kartoffeln kamen übers „Kartoffel stoppeln“ rein. Denn nach der üblichen Kartoffelernte blieb noch genug im Boden drin, das man per Hand abernten konnte.

An all das erinnere ich mich noch gut, denn ich wuchs bei meiner Oma inmitten des selbst Besorgten auf. Eierlikör wurde selbst gemacht und ganz besonders stolz war Oma auf ihre „Medizin“: Likör aus schwarzen Johannisbeeren. Der schmeckte lecker, wenn ich als Kind mal daran nippen durfte.

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Teil 1: Eigenversorgung in der ehemaligen DDR
Teil 2: Eigenanbau von Gemüse, Obst und Kräuter im Garten
Teil 3: Versorgung über die Obstbäume der Landstraßen
Teil 4: Hasen, Hühner und Gänse aus eigener Zucht
Teil 5: Eigenversorgung über den Wald
Teil 6: Holzversorgung erlaubte unglaublich geringe Heizkosten
Teil 7: Unterschiede bei der Selbstversorgung auf dem Land und in der Stadt
Teil 8: Warum war die Eigenversorgung in der DDR so ausgeprägt?


Über den Autor:
nokiland ist Web-Designer und -Programmierer. Er arbeitet freiberuflich als Entwickler und Webmaster diverser Infotainment Webseiten.


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Eigenversorgung Versorgungsengpässe


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Erinnern Sie sich an...

Helga Hahnemann


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