
In der Berlin Lichtenberger Gruppe der DKP gab es am 17. Februar 2009 ein nicht alltägliches, feierliches Ereignis: Genosse Heinz Keßler wurde mit einem Strauß roter Nelken und dem zweiten Band der „Ziegenhalser Reden“ das Mitgliedsbuch der DKP übergeben.
In einer kurzen Erklärung bedankte sich Heinz Keßler und versprach, die Kraft, die ihm verblieben ist, für den Kampf der Partei gegen das kapitalistische System und seine Folgen für die Menschen einzusetzen. Nach dem „offiziellen“ Teil und im kleineren Kreise kam die Frage auf, ob sich nicht noch etwas mehr zu den Motiven seiner Entscheidung sagen ließe. „Was soll ich sagen?“, war die Antwort, „es gab nach 1989 so viel Anlässe zu meiner Person Stellung nehmen und mich bekennen zu müssen, dass mir nichts besseres einfällt, als Euch zu bitten, im kleinen "Spotless“-Heft „Heinz Keßler - Reden vor Gericht“ nachzublättern."
Dort findet sich eine etwa einstündige Rede, frei gesprochen am 56. Verhandlungstag vor Gericht, nach einer zweijährigen Untersuchungshaft. Darin heisst es unter anderem:
"Was waren die Motive, die Triebkräfte meiner sich ständig entwickelnden politischen Überzeugung und des davon bestimmten politischen Handelns? Es war das Bemühen, mehr politische, ökonomische, soziale Gerechtigkeit für die arbeitenden Menschen zu erreichen. Schaden für den Bestand meines Vaterlandes abzuhalten, Leid für mein Volk abzuwenden. Das führte mich folgerichtig, beeinflusst von meinen verehrten Eltern, anderer für mich vorbildlichen Menschen, gestützt auf eigene fühlbare Erfahrungen, in die Reihen der Arbeiterbewegung, der Antifaschisten, Sozialisten, Kommunisten, die - verbunden, mit den Menschen aus allen Schichten unseres Volkes - für diese meine politischen Ziele und Ideale eintraten und kämpften.Der Machtantritt des Faschismus war für mich ein schreckliches, sich tief in mein Bewusstsein einprägendes Erlebnis. All das, was darüber bereits geschrieben wurde und noch geschrieben wird, wenn auch nicht immer vollständig und der Wirklichkeit entsprechend, kann ich aus eigenem Erleben und aus dem berichten, was meiner Familie angetan wurde. Die Jagd, Verfolgung, Demütigung, Drangsalierung der Antifaschisten, Sozialisten, Kommunisten und bürgerlichen Demokraten, der rassisch Verfolgten ist mir noch heute gegenwärtig. Das verstärkte und verfestigte meinen Willen, meine Entschlossenheit, sich diesem System des Faschismus und den Verursachern dieses Grauens, das über unser Volk gekommen war, niemals zu beugen, sich ihm entschlossen entgegenzustellen."