29.05.10 | nokiland (195) Lebte man in der DDR sicherer?

Themen | Alltag

Lebte man in der DDR sicherer?

Die Kriminalität in der DDR war gering. Erklärungsveruche gibt es viele und man wundert sich, woher einige Personen ihr Wissen haben.

Da fällt mir nur die Bild-Zeitung ein, die ja angeblich auch „bildet“. So las ich vor kurzen: „... In der Schule wurden regelmäßig die Schultaschen untersucht. Messer, Pornographie usw. wurden eingezogen. Selbst eine eingeschmuggelte "BRAVO“ oder Bilder von West-Popstars wurden konfisziert....".

In meinem 10 Jahren von 1974 bis 1984 wurde kein einziger (meiner) Schulranzen untersucht. Viele Jugendliche hatten Taschenmesser, die gehörten zum Alltag dazu wie heute das „Schweizer“ Messer. Damit wurde der Apfel geschält, beim Wandern ein Stock geschnitzt oder am Fahrrad etwas repariert. Man nahm es nicht unbedingt zur Schule mit, doch wenn, war das kein Ereigniss. Es blieb in der Hosentasche. Es war ein „Werkzeug“, keine „Waffe“. Bilder von West-Popstars wurden auch nicht eingezogen. Warum auch? Das DDR Platten-Lapel Amiga verkaufte selbst in der DDR Schallplatten und Kassetten von sogenannten „West-Popstars“ und im Intershop oder dem GENEX-Katalog waren Merchandising-Artikel nichts unbekanntes. Und gar Schüler mit Pornoheften? Die sollte man auch heute einziehen. Damals jedoch war kein Thema, weil so ein Pornoheft schonmal mit 150 Mark zu Buche schlug - für einen Schüler nicht finanzierbar.

Es gab Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub, wie in jeder Gesellschaft, nur prozentual geringer. Körperverletzungen gab es sicher mehr, wurden aber kaum zur Anzeige gebracht. Warum? Heute ist es Körperverletzung, wenn der Sohn seine Mutter mit Schlampe und noch schlimmeres bezeichnet und dafür ein paar getachtelt bekommt. Wenn ein Schüler den Lehrer mit „Ar...“ beschimpft und eine Ohrfeige kassiert, ist das Körperverletzung. Damals sagte der Vater noch: „gut gemacht. Wenn mein Sohn nochmal so ausfällig wird, sagen sie es mir und er bekommt zu Hause auch noch sein Fett weg!“.

Jugendliche rauften sich auch, aber in einer anderen Qualität als heute. Damals wollte man niemand den Kopf einschlagen, tot treten oder erwürgen. Es wurde gerempelt, mit der Faust zugeschlagen und gut ist es. Der andere gab nach und das Thema war gegessen. Oder der Angreifer mußte plötzlich selbst wegstecken, sah es ein und die Sache war geregelt.

Dass es Ausschreitungen wie heute gab, ist auch richtig. Was heute aber Alltag ist, war damals die Ausnahme. Aggressionspotential war in der Breite kaum vorhanden. Man prügelte nicht durch die Gegend aufgrund von Aggressionen, bestenfalls weil man sich als „Hirsch“ beweißen wollte.

Wenn ein Schüler von einem anderen verprügelt wurde und der Schüler damit nicht klar kam, ging er zum Lehrer und die Sache wurde geregelt. Lehrer genossen Respekt wie Polizisten. Keiner widersprach ihnen. Wer sich mit einem Lehrer anlegte, hatte schlechte Karten. Der Lehrer brauchte keine Gewalt, er bediente sich des Umstands, dass kein Kind oder Jugendlicher sich gern ausgegrenzt, öffentlich angeprangert wird oder allein dasteht. Der Betreffende wurde vor der ganzen Klasse an die Tafel zitiert und mußte sich rechtfertigen. Das ist peinlich.

Sicher gab es „schwer erziehbare Kinder“ die heutige Merkmale verhaltensgestörter und aggressiver Jugendlicher aufwiesen, aber um die kümmerte sich schon das Jugedamt vorbildlich - ab in ein Kinderheim für schwererziehbare. Ob sie dort zu besseren Leuten erzogen wurden oder nicht, ist sekundär. Wichtiger war: Eine aufkeimende Kriminalität im sozialem Umfeld wurde kein Platz frei gemacht, kein Tisch reserviert.

Kinder hatten damals in Schulen weniger Angst als heute. Erwachsene konnten nachts durch die Straßen ziehen ohne Angst zu haben. Zumal Volkspolzistn zu Fuß ihre Runden drehten und jeden auffälligen um die Papiere baten.

Warum lebte man in Sachen „Sicherheit“ sicherer? Weil die Menschen eine andere Erziehung genossen und garnicht erst auf die Idee kamen, anderen Schaden zuzufügen. Weil es nicht richtig und erst recht nicht notwendig war.

Sicherheit in Sachen der eigenen „Wirtschaft“ - nun, es gab keine Erwerbslosigkeit, abgesehen von wenigen Fällen, welche entweder politisch bedingt waren oder der Bürger freiwillig die Arbeit verweigerte und die Konsequenzen zog. Jedes Familienmitglied arbeitete, oft noch schwarz nebenbei, was vom Staat teilweise durch Verordnungen gefördert wurde.

Jeder hatte genug zu Essen und ein Dach über dem Kopf, auch wenn das Dach bisweilen tropfte. Die ärztliche Versorgung war flächendeckend und kostenlos. Somit gab es wenig grund, aus rein wirtschaftlichen Gründen kriminell zu werden.

Somit bleibt für mich der Eindruck: „Sicherer“ als heute lebte man in der DDR auf jeden Fall.

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Über den Autor:
nokiland ist Web-Designer und -Programmierer. Er arbeitet freiberuflich als Entwickler und Webmaster diverser Infotainment Webseiten.


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Kriminalität Gewalt Sicherheit


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