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Themen | Politik & Gesellschaft Der 17. Juni - kein Tag wie jeder andereTeil 2: Protest der Arbeiter im Arbeiter- und BauernstaatEs war ein spontaner Volksaufstand, von niemandem gesteuert oder ideologisch vorbereitet. Die Menschen gingen auf die Straße, um erst für bessere Lebensverhältnisse, dann für freie Wahlen und schließlich für die Einheit Deutschlands zu demonstrieren. Noch am Abend des 16. Juni 1953 hatte die SED zu einer „Parteiaktiv-Tagung“ in den Friedrichstadtpalast in Berlins Mitte geladen. Doch auch Walter Ulbricht fiel nicht mehr ein als die Funktionäre anzuweisen: „Morgen tiefer in die Massen. Morgen in jeder Betriebsversammlung auf jede Frage antworten. Morgen klar und deutlich auf die Fragen der Werktätigen antworten. Ihnen klar und eindeutig sagen, was wir wollen, was falsch gemacht wurde - und wie es weiter geht.“ Doch am nächsten Morgen, jenem 17. Juni 1953, einem Mittwoch, war es zu spät. Schon um sechs Uhr morgens ging die Nachtschicht in zahlreichen Ost-Berliner Betrieben nicht wie üblich nach Hause, sondern vielfach geschlossen zum Strausberger Platz, dem Renommierprojekt des Wiederaufbaus in Ost-Berlin. Fast überall trat die Frühschicht anschliessend ebenfalls in den Ausstand und es formierten sich die ersten Demonstrationszüge, die in Richtung Haus der Ministerien aufbrachen. Um 9:05 Uhr erging der Befehl an die kommunistisch kontrollierte Volkspolizei, den Regierungssitz gegen das protestierende Volk zu schützen. In den folgenden Stunden besetzten die Aufständischen 11 Kreisratsgebäude, 14 Bürgermeistereien, 7 Kreis- und eine Bezirksleitung der SED. Des weiteren wurden 9 Gefängnisse und 2 Dienstgebäude des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie 8 Polizeireviere, 4 Volkspolizei-Kreisämter (VPKA) und eine Dienststelle der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei (BDVP) erstürmt. Die Polizei war mit dem Ausmaß der Ereignisse hoffnungslos überfordert und teilweise liefen Volkspolizisten sogar zu den Demonstranten über. Es kam aber auch vor allem in Ost-Berlin zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Es war der erste antistalinistische Aufstand – getragen ausgerechnet von den Arbeitern im Arbeiter- und Bauernstaat. Gegen 9.50 Uhr tauchte der erste sowjetische T-34 Panzer am Potsdamer Platz auf. Als Jugendliche die rote Fahne vom Brandenburger Tor holten, wurde auf sie geschossen. Um 13.05 Uhr machten die Rotarmisten auf dem Potsdamer Platz ernst: Mit Schüssen trieben sie die mehr als 100.000 Protestierenden auseinander. Nach drei Stunden war der Verkehrsknotenpunkt geräumt. Um 19.30 Uhr hatten die sowjetischen Soldaten den am Morgen verhängten Ausnahmezustand durchgesetzt. Die Bilanz des Volksaufstandes war erschreckend: Am 17. Juni und den Tagen danach wurden 34 Demonstranten und Zuschauer von Volkspolizisten und sowjetischen Soldaten erschossen bzw. starben an den Folgen von Schussverletzungen. Sieben Menschen wurden nach Todesurteilen von sowjetischen und DDR-Gerichten hingerichtet. Infolge der mangelnden Haftbedingungen starben weitere vier Personen und vier Insaßen töteten sich in der Haft. Im Westen wurde die militärische Niederschlagung des Aufstand mit Entsetzen und Abscheu aufgenommen. Im Gedenken an den Aufstand erklärte die Bundesrepublik Deutschland den 17. Juni als Nationalfeiertag. Er blieb es bis zur Wiedervereinigung 1990. Seitdem wird anstelle des 17. Juni der 3. Oktober als Tag der Wiedervereinigung begangen.
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