08.04.10 | nokiland (195) Unterhaltung im DDR-Fernsehen auf hohem Niveau

Themen | Kunst & Kultur

Unterhaltung im DDR-Fernsehen auf hohem Niveau

Die politische Situation und Aktuelles aus dem Alltag wurden in der DDR durch einem Rotlicht-Filter abgestrahlt. Doch die Unterhaltungsbranche trumpfte mit Niveau und Formaten auf, die selbst BRD Bürger vor die Ostdeutsche Klotze zogen.


Testbild des DFF
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Foto:archiv 

In der DDR wurden Sendeformate erfunden, die erst Jahre später von der BRD adaptiert wurden. Das Fehlen von Gewalt oder verunglimpfende Darstellungen im TV zog auch viele BRD Bürger, falls sie das Fernsehen der DDR empfingen konnten, vor den Bildschirm.

Die Sendung „Außenseiter Spitzenreiter“ wird heute noch ausgstrahlt und gillt als die älteste Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen. In ihr werden Kurioses und Hintergründiges vorgestellt, so zum Beispiel Menschen mit außergewöhnlichen Hobbys, Begabungen, nicht alltägliche Erfindungen oder ungewöhnliche Rekorde.

Die Unterhaltungssendung „Ein Kessels Buntes“ lockte Samstagabend viele Zuschauer vor die Flimmerkiste. Die bekannte „Ulknudel“ und „Berliner Schnauze“ Helga Hahnemann war eine ihrer Moderatoren. Die Attraktivität dieser Sendung wurde durch Gastauftritten westlicher Interpreten gesteigert.

Sehr beliebt war die Sendung „Willi Schwabes Rumpelkammer“, in welcher belustigende Ausschnitte älter Filme gezeigt und von Willi Schwabe kommentiert wurden.

„ Mit dem Herzen dabei“ war eine erfolgeiche Unterhaltungssendung aus den Jahren 1964 bis 1970, die vom Format her stark an heutige Sendungen erinnert. „Geehrt“ wurden vorbildliche oder besondere Werktätige, oft in überraschender Weise. Beispielsweise ist ein Mann völlig überrascht, als er von einer Dienstreise nach Hause kommt und sein Haus fertig renoviert vorfindet. Oft wurde, zur Belustigung des Publikums, mit „verstecker Kamera“ gearbeitet.

Eine andere Sparte der „Unterhaltung“ bildeten naturwissentschaftliche Sendungen, Themen zund um Haus und Garten oder Sport. Im Bereich Sport war die Sendung „Mach mit, mach´s nach, mach´s besser“ mit Moderator „Adi“, vor allem bei Kindern und jugendlichen beliebt.

Wenn von einem „hohen Niveau“ die Rede ist, spricht man weniger von Nervenkitzel, visuelle Effekte oder Stimmulierung durch typisch menschlich Empfingen wie Schadenfreude oder Spannertum. Das Format „Big-Brother“ wurde nie im öffentlichen Fernsehen realisiert, dafür waren die Überwachungs-Studios der Staatssicherheit zuständig. Mit „Niveau“ verbindet man die Qualiät der Wertevermittlung und Innovation der Formate. Was allerdings keine Akzeptanz in allen Alltersgruppen hervorrief. Kinder und ältere Menschen fühlten sich von der Medienlandschaft der DDR gut bedient. Eine heile Welt für Kinder, eine beschauliche Unterhaltung für „ältere“ Bürger. Die Jugend war jedoch nicht zufrieden. Alles war entweder zu kindisch oder zu „altbacken“. Die Jugend hörte „Rias Berlin“ uns sah „Formel Eins“. Keiner stand auf „DDR Musik“. Ausnahmen gab es. „Inka“ (Inka Bause, Tochter des Komponisten Arnold Bause) war unheimlich beliebt. Man stand offiziell nicht auf „Ost-Mucke“, man stand auf „Inka“. Von den Phudys war beispielsweise der Titel „Laß Deinen Drachen steigen“ ein heimlicher Hit in der westlich orientieren Jugend.

Doch die Jugend war sowieso schon zu allen Zeiten etwas „unpäßlich“. Ich erinere an einen Spruch von Sokrates: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ (Quelle: GutZitiert.de)

Pädagogisch waren die Sendungen der DDR, von den poltischen Themen einmal abgesehen, positiv. Noch heute profitiert der MDR von den Sendungen und Formaten des ehemaligen „Fernsehen der DDR“.

Obwohl sich die damalige DDR-Jugend eher an westliche Formate und Modeerscheinungen orientierte, hören viele der damaligen jugendlichen Kritiker heute „Karat“ und erinnern sich gern an die damalige Medienlandschaft.

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nokiland ist Web-Designer und -Programmierer. Er arbeitet freiberuflich als Entwickler und Webmaster diverser Infotainment Webseiten.


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20.04.12
11:52 Uhr
norn sagt:
Also ich stand auf TheClash Und SexPistols, nicht auf 'Inka' und auch sonst konnte ich dem DDR-Fernsehen nicht viel abgewinnen. Sendungen wie Ein Kessels Buntes waren typische Samstagabend-Blockbuster -damals sagte man Straßenfeger- wie sie in den 60er und 70er Jahren auch im Westen produziert wurden (Musik ist Trumpf, Am laufenden Band usw.) Das Ostfernsehen war in dieser Hinsicht genau so spießig wie das Westprogramm. Dass Ein Kessels Buntes auch im Westen gesehen wurde überrascht mich nicht. Heute kucken die alle 'Das große Frühlingsfest der Volksmusik' und beölen sich dabei :D
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Schlagwörter:
Unterhaltung Kultur Helga Hahnemann Fernsehen Inka Bause


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